Monatsgedanken Oktober 2026

ChatGPT Freiheit u Joch 2610

 

Zur Freiheit
hat uns Christus befreit!

So steht nun fest
und lasst euch nicht wieder
das Joch der Knechtschaft auflegen!

 

Galater 5,1

 

Ungezählte Hoffnungen, Wünsche und Versprechungen verbinden sich über alle Generationen hinweg mit dem Wort FREIHEIT.
Schon sehr früh in der Kindheit erwacht das Bedürfnis frei zu sein: 'Alleine machen' oder 'Ich will aber….' und endlich NEIN sagen zu können. Spätestens dann tritt der Wunsch nach Selbstbestimmung und Willensfreiheit in unser Leben ein. Doch ebenso schnell wird uns klar, dass wir gar nicht so frei sind, wie wir meinen und wir entdecken unser Eingebundensein in die vielfachen Zwänge dieser Welt.
„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“
So jedenfalls hat der französische Philosoph und Pädagoge J.J. Rousseau(1712–1778) das zeitlose Thema von Freiheit und Gebundenheit zusammengefasst, das in der Menschheitsgeschichte jeweils andere Schwerpunkte hatte, aber mit erstaunlichen, zeitlosen Gemeinsamkeiten.
Die Ketten waren für Rousseau in erster Linie gesellschaftliche Abhängigkeiten und Hierarchien in einer ungleichen Verteilung von Macht und Reichtum mit unterdrückenden Strukturen. Klingt da nicht auch unsere Gegenwart an? Jedenfalls damals jene des Paulus von Tarsus, dem Schreiber des Monatsspruchs im Galaterbrief, dem das alles viel früher (um 50 n.Chr.) sehr vertraut war. Unfreiheit hatte seinerzeit noch viel schärfere Dimensionen, die sich mit den Worten Sklaverei und Leibeigenschaft unvollkommen umschreiben, geschweige denn nachfühlen lassen. Paulus benutzt die damals in einer Agrargesellschaft vertrauten Begriffe von Joch und Knechtschaft. Aber er ruft nicht zum Klassenkampf und Umbau der Herrschaftsstrukturen auf, gewissermaßen als Vorläufer einer Theologie der Befreiung (Gustavo Gutiérrez (1928–2024), sondern stellt Jesus als den Christus ins Zentrum einer ganz anderen Befreiung, die bis in die heutige Zeit relevant ist. Es geht ihm um die Befreiung von religiösen Strukturen, die Gläubige in ein Korsett menschengemachter Dogmen und damit verbundenen Verhaltensanweisungen zwängen. Es war jene Zeit des Erwachsens des Christentums auf der Grundlage des Judentums. Musste man nicht die alten, strengen jüdischen Vorschriften des Gesetzes erfüllen, auch wenn man Jesus als Christus (Messias) verstand? Das war eine bewegende Frage in den jungen christlichen Gemeinden etwa der Galater, die von jüdischen Einflüssen gelenkt waren. Paulus gibt dazu eine klare Antwort: ‚Ihr seid nicht gebunden an religiöse Strukturen‘, - wir würden sie vielleicht heute kirchliche Systeme nennen -, sondern ihr seid einzig durch den Glauben an Christus genau davon befreit! Lasst euch nichts anderes erzählen!‘.
So könnte man Paulus paraphrasieren und gleichzeitig mit ihm ergänzen: ‚Ihr seid als große christliche Gemeinschaft frei in den Unfreiheiten eures Daseins.‘ „Da ist nicht mehr Jude noch Grieche, da ist nicht mehr Sklave noch Freier, da ist nicht mehr männlich und weiblich; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“(Gal.3,28)
Jesus befreite Menschen aus der „Bubble“, aus der Box ihrer Herkunft, ihres Standes, ja sogar ihres Geschlechts. Das letztere war für die damalige Zeit besonders unerhört, denn am Geschlecht machte sich oftmals der Wert eines Menschen fest. Sind wir nebenbei bemerkt heute tatsächlich rund 2000 Jahre von diesem Denken entfernt?
Doch führen die umwerfenden Gedanken des Paulus sofort zu zwei Missverständnissen, die sich in der Geschichte in großen Konflikten und sogar Revolutionen äußerten. Zum einen war und ist es das große Ziel: „alle Menschen werden Brüder“, was Paulus mit dem allerdings entscheidenden Zusatz <in Christus> gelten ließe. Doch geht es um Forderungen, nationale Unterschiede, ungleiche Besitzverteilung und selbst das Anderssein von Mann und Frau verschwinden zu lassen. Die Verfechter dieser Auffassungen behaupten zugleich schnell, dass Andersdenkende mit Paulus fordern würden: ‚Alles bleibt wie es ist!' Herrschaftsstrukturen und gesellschaftliche Ordnungen würden als gottgewollt verstanden und nicht angetastet.
Aber so gedacht, macht man nicht nur Paulus zum Schwarz-Weiß-Maler und mit ihm, die von Jesus ausgehende Botschaft wird so eingefärbt. Dagegen geht es im Evangelium um jene Freiheit in Christus in der Unfreiheit des Daseins. Diese Befreiung führt auch in völlig andere und vor allem verantwortliche Denkstrukturen. So ermahnt Paulus selbst z.B. einen Christen (Philemon) als Herr eines Sklaven (Onesimus), diesen „nun nicht mehr wie einen Knecht“, sondern „als einen lieben Bruder“ zu betrachten (vgl.Phi.16). Diese neue Freiheit in Christus führt so auch zu Lebensveränderungen in der Verantwortung vor Gott und befreit vom Joch des „es war schon immer so“ ebenso wie aus der Knechtschaft von Ideologien.

Doch in einer gottlosen Welt, die losgelöst ist von der verändernden Kraft des Evangeliums, haben wir es mit einer Menge Unfreiheiten zu tun, nicht nur im

Oktober Anno Domini 2026

© D.E.
Anmerkung: Zum Stichwort Freiheit s. auch die Monatsgedanken Juni 2026