Monatsgedanken Juli 2026

Justitia im Fluß F 2607

Mit den Worten Recht und Gerechtigkeit verbinden sich zu allen Zeiten und an allen Orten dieser Welt Sehnsüchte und Wünsche von uns Menschen. Wer wollte denn nicht in allen Lebenslagen gerecht behandelt und beurteilt werden? Dazu gehören auch gerechte Gesetze, die uns zu unserem Recht verhelfen können.
Doch Gesetze sind Menschenwerk und unterliegen den Zeitströmungen, gespeist von bisweilen menschenverachtenden Ideologien, so z.B. in Deutschland in nationalsozialistischer Zeit in den sog. Rassengesetzen.
Wir wissen, wenn der politische Wind sich dreht, gelten öfter unvorhersehbar ganz andere Maßstäbe der Gerechtigkeit, besonders dann, wenn autokratische Staatslenker das Recht an sich reißen und ihre persönlichen Ansichten von Gerechtigkeit durchsetzen.
In der Bibel(Pred.1,9) gibt es ein Wort, das ich mit zunehmendem Lebensalter immer besser verstehe: „ (…) Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ Zwar sagt man, Geschichte wiederholt sich nicht, aber das gilt keineswegs für politische Machtstrukturen und schon gar nicht für die Staatslenker als Könige, Fürsten oder Präsidenten! Aus dem 17. Jh. ist uns der Satz in Erinnerung: L’etat ce moi! (Der Staat bin ich) (Ludwig XIV) und aus dem 21.Jh.: I alone can fix it“ (Ich allein kann es richten) (D. Trump).
Nicht anders war es zur Zeit des alttestamentlichen Propheten Amos (um 750 v. Chr.), wohin uns der Monatsspruch führt. Die Herrschenden mehrten seinerzeit Reichtum und Macht oft auf Kosten der Bevölkerung (Amos 2,6–7). Sie brachten selbst die Gerichte unter ihre Kontrolle, die dann nur noch ihren Machterhalt sicherten. Von einer Gewaltenteilung, selbst in ihrer frühestens Form, konnte man nicht mehr sprechen. (Amos 5,7; 5,10–12). Amos sollte in jener Zeit im Auftrag Gottes, wie auch andere Propheten-Kollegen vor und nach ihm, den Herrschenden im Volk Israel ihre Versäumnisse und Niederträchtigkeiten vorhalten und sie zur Umkehr aufrufen. Es lohnt, seine in weiten Teilen zeitlose, umfangreiche Kritik einmal nachzulesen! Er, als einfacher Landwirt, war dazu gegen seinen Willen von Gott berufen worden, denn es war ihm klar, wer Kritik am herrschenden System übt, wird einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt werden und muss mit Konsequenzen rechnen, die sich auch nicht viel von heutigen Repressionen und Anfeindungen gegen Andersdenkende unterscheidet. Auch wird Amos klar gewesen sein, dass er nicht auf Verständnis rechnen konnte, denn die Machthaber und ihre Profiteure waren überzeugt von ihrem Tun, dass sie auch noch religiös durch Gottesdienste und Kulte abzusichern suchten: „Gott mit uns!“ Auch diese Einstellung ist über viele Religionen hinweg nicht aufgehoben.
In dieser Hoffnungslosigkeit auf Veränderungen klingt der Monatsspruch wie ein frommer Wunsch oder mit Martin Luther King gesagt, wie ein Traum. Er zitierte Amos nicht zufällig in seiner berühmten Rede „I have a dream.“ Dem Recht war allerdings längst das Wasser abgegraben worden. Aber Amos blickt auf die Quelle des Rechts, die er allein bei seinem Gott sieht. Er unterscheidet Recht und Gerechtigkeit. Diese liegt allein bei Gott, der unabhängig ist von Zeit und gesellschaftlichen Räumen. Amos ruft auf, sich Gott neu und ernsthaft zuzuwenden, sich mit der göttlichen Quelle zu verbinden. Erst daraus kann ein Strom menschlichen Rechts entstehen, das aus Gerechtigkeit gespeist wird und nicht versiegt.
Wir leben nicht nur in klimatisch trockenen Zeiten, sondern auch mit vertrocknenden Werten. Lassen wir uns von Amos aufrufen, die Quelle der Gerechtigkeit neu in den Blick zu nehmen. Dadurch erst wird eine andere Haltung entstehen, die ein verändertes Leben und eine bessere Zukunft möglich macht, nicht nur in diesem

 

Juli Anno Domini 2026

© D.E.

 

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