Sorgt euch um nichts,
sondern bringt in jeder Lage
betend und flehend
eure Bitten mit Dank vor Gott!
Phil 4,6
Wieder so ein Bibelspruch der am Alltag unseres Lebens vorbeigeht! Oder?
Sorgen gehören zum Leben dazu und lassen sich auch nicht einfach abstellen. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die uns plötzlich überfallen wie z.B. die Frage „Habe ich für meine Geburtstagsfeier am Samstag an alles gedacht und nichts vergessen?“ Vielleicht ist es nur die Sorge, dass ich vielleicht aufgrund eines Staus oder meiner verspäteten Zugverbindung nicht pünktlich zu meinem Termin komme. „Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da…“ so textete Jürgen von der Lippe einst humorvoll. Wenn Sie mehr als 50 Jahre jünger sind als er, gefällt Ihnen vielleicht „Uludağ und Sorgen“ von Paula Hartmann und Symba besser. In diesem Deutschrap wird auch aus der Sicht junger Leute spürbar, dass Zukunftsängste keine Altersfrage sind und der Besitz von Diamanten auch nicht vor ihnen schützt. Eine Vielzahl von Sorgen sind existenziell und dann ist Schluss mit lustig. Sie drücken auf unsere Seele und kapern unsere Gedanken. Da ist die Sorge um einen erkrankten, lieben Menschen oder unsere eigene medizinische Diagnose. Der plötzliche Verlust des Arbeitsplatzes, das Wegbrechen finanzieller Sicherheiten, dass Ende einer langjährigen Beziehung können große Sorgen bereiten und jede Leserin und jeder Leser kann hier gewiss eine Menge Sorgen auf die Liste setzen. Und dann kommt so ein Apostel Paulus in seinem Brief an die Philipper mit dem Spruch „Sorget euch um nichts“ um die biblische Ecke.
Dazu muss man wissen, dass er selbst zur Zeit der Abfassung seines Briefes (um 60 n.Chr.) im römischen Gefängnis saß und allen Grund zur Sorge hatte über das, was ihm bevorstehen könnte. Damit war er in einer sehr ähnlichen Lage wie der nicht nur in Kirchenkreisen bekannte Dietrich Bonhoeffer, der sich im Nazi-Gefängnis Sorgen auch um sich und natürlich seine Familie machte. In der Briefesammlung aus dem Gefängnis unter dem Titel „Widerstand und Ergebung“ beschreibt er sich selbst im Inneren als „unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, (…) müde und leer zum Beten“
Wenn Christen auf der sorglosen Seite des Lebens stünden, würden Kirchen nicht geschlossen, sondern überfüllte durch Neubauten ergänzt. Gott bewahrte weder Bonhoeffer vor dem Galgen, noch den Apostel Paulus vor dem wohl gewaltsamen Tod am Ende seiner Gefangenschaft in Rom. Es ist wohl eine der größten Herausforderungen für Christenmenschen einen liebenden Gott mit persönlichen Katastrophen und Schicksalsschlägen in Einklang zu bringen! Genau solche mit Sorgen begleiteten Existenzbedrohungen werden im Monatsspruch thematisiert, wenn man ihn als Ganzes betrachtet. Wenn Paulus von „jeder Lage“ spricht, so hat er genau diese Sorgenzeiten seiner Philipper im Blick, verbunden mit dem Aufruf, Gott davon im Gebet zu erzählen und sie dringlich („flehend“). zu machen Wir wissen, wie befreiend es sein kann, eigene, die Seele zersetzende Sorgen nicht in sich hineinzufressen, sondern anderen vertrauensvoll zu offenbaren. Dazu gehört hier auch, die Bitte an Gott einzugreifen und die Dinge zum Besseren zu wenden. Diese Bitte war auch Jesus nicht fremd angesichts des schweren, bitteren Kelchs (Bonhoeffer) und gleichzeitig wollte er nicht über Gott „verfügen“(s. Lukas 22, 39-45).
So ist der Aufruf Jesu zur Sorglosigkeit (s. Matth. 6,25), den Paulus hier unterstreicht nicht verknüpft mit einer Verdrängung der Probleme oder grundlosen Zuversicht auf ihre Lösung, sondern mit dem Dank an einen Gott, der eine Zukunft hinter allen Sorgen für jene vorbereitet hat, die sich auf ihn verlassen! Vieles wendet sich nach Zeugnissen vieler Christen durch die Grundhaltung zu Gott schon jetzt zum Besseren im persönlichen Leben, auch wenn wir noch nicht im sorgenfreien Reich Gottes angekommen sind! Bis dahin gilt: „Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht; uns ist bange, aber wir verzagen nicht“ (Paulus in 2.Kor.4,8), auch nicht im
Juli Anno Domini 2025
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