Christusgemeinschaft
Oer-Erkenschwick e. V.

Monatsgedanken

Monatsgedanken Juni 2026

Gefängnis PiXa 2606

  

Denkt an die Gefangenen,
als wäret ihr mitgefangen;
denkt an die Misshandelten
denn auch ihr lebt noch
in eurem irdischen Leib!


Hebräer13,3

 

 

Der Freiheit beraubt zu sein und hinter Gefängnismauern leben zu müssen, trifft damals wie heute eine große Zahl von Menschen weltweit. In Deutschland liegt die Inhaftierungsrate bei 67 auf 100000 Einwohnern, in den USA bei 549(!) (Zahlen Statista 2026). Zur Zeit der Abfassung des biblischen Hebräer-Briefes (um 70 n.Chr.) war es im seinerzeit dominierenden römischen Weltreich gewiss nicht anders. Damals wie heute führte weitaus nicht immer eine sog. Gerechtigkeit in eine Gefängniszelle und erst recht nicht wieder heraus. Ideologien, (politische) Willkür bis hin zur Menschenverachtung waren und sind die Zutaten der Unfreiheit. Das wusste natürlich auch der Schreiber des Monatsspruchs aus eigener Erfahrung. Zu seiner Zeit war die christliche Minderheit in Städten und Dörfern gesellschaftlich missachtet und vielfältig verfolgt. Je nach Gusto der (lokalen) Herrschenden gehörten auch Inhaftierungen zur Tagesordnung. Anders als heute war wer im Gefängnis saß, in der Versorgung seiner Grundbedürfnisse vollständig auf Verwandte und Freunde angewiesen. Für die Helfer(innen) war es aber keineswegs ungefährlich diese Dienste zu leisten, denn ihnen konnte ja unterstellt werden, dass sie mit den Gefangenen sympathisierten und so selbst zur Zielscheibe von Anfeindungen wurden. Konnte man ihnen verdenken, zuerst an sich selbst zu denken?
Doch auch das lässt der Briefschreiber seinen Lesern nicht als Entschuldigung durchgehen, denn es geht letztlich um jene menschliche Eigenschaft, die – wie man heute so sagt – in der DNA des Menschen liegt. Theo Lehmann und Jörg Swoboda haben als christliche Liedermacher das schon vor vielen Jahren in einem Liedtext so ausgedrückt: „Erst komm ich und dann komm ich. Pausenlos geht es um mich.“ Dieser Blickrichtung widerspricht ausdrücklich die nicht nur an diesem Punkt zeitlose, neutestamentliche Botschaft an zahlreichen Stellen und verbindet sie mit dem Begriff des „Nächsten“. Christen sind nicht nur an diesem Punkt keine besseren Menschen, denn auch sie leben noch in ihrem irdischen Leib, wie es im Monatsspruch formuliert wird. Das birgt allerdings auch einen Vorteil. Nicht nur ein sommerlicher Mückenstich fühlt sich bei meinem Mitmenschen genauso an, wie bei mir. Wer misshandelt wird und sogar seine äußere Freiheit verliert, empfindet kein anderes Leid als ich an seiner Stelle. Aber das Leid des anderen juckt uns oft nicht sehr. Der Appell des Monatsspruchs könnte wohl auch so zusammengefasst werden: >Der Nächste fühlt wie du. Versetze dich in seine Lage und hilf ihm, so gut du es kannst<.
Naja, das wussten wir natürlich vorher und wir kennen alle dazu Sinnsprüche aus dem Volksmund: „Was du nicht willst, das man dir tu…….“. Den Satz kann man sich übrigens auch bei Konfuzius abholen. Aber wir wissen auch, so einfach scheint das nicht zu klappen, sonst gäbe es wohl keine, sogar vielfältige gesetzliche Verpflichtungen zur Hilfeleistung. Aber natürlich darf nicht vergessen werden, wie viele Menschen sich in sozialen Projekten engagieren und auch eine hohe Spendenbereitschaft haben. Aber da ist noch „Luft nach oben“, besonders, wenn es buchstäblich um Menschen in unserer Nähe geht, insbesondere dann, wenn es uns mehr kostet als eine schnelle Spende etwa für „Brot für die Welt“. Christen sollten darum wissen, dass eine Veränderung der Blickrichtung durch die Ausrichtung auf Gott möglich wird. Dazu gehört es, mehr als gelegentlich die Bibel aufzuschlagen, denn es ist wichtig „dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt und dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt“, so heißt es dazu im Liedtext von Lehmann/Swoboda. So gelangen wir auf die Ebene der Nächstenliebe, die Jesus meint: „Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. (…) Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matth.36,40b), nicht nur im

Juni Anno Domini 2026

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