Jesus spricht zu Thomas:
Weil du mich gesehen hast,
darum glaubst du?
Selig sind, die nicht sehen
und doch glauben!
Johannes 20,29
„Ich glaube nur, was ich sehe!“
Wer hat diesen Satz nicht schon mal in ähnlicher oder abgewandelter Weise benutzt? Er passt doch scheinbar sehr gut zu unserer, auf Wissenschaft und Beweiskraft getrimmten Welt!?
Aber schon die alten und auch die modernen Wissenschaften haben sich oftmals vielfältig geirrt oder mussten aufgrund neuerer Forschungen ihre, oft als wahr bezeichneten Theorien revidieren und durch neue ersetzen. In der modernen Kosmologie etwa weiß man darum, dass nur etwa 5% der Phänomene direkt beobachtbar sind. Es gibt auch im übertragenen Sinne mehr dunkle Materie und Energie als man ahnte.
Und spätestens in der Welt in der wir aktuell leben, haben wir leider immer wieder lernen müssen, dass die Wahrheit auf allen Ebenen im vielfältigen Kontext von Täuschungen und Lügen oft unsichtbar bleibt. Schon gar nicht helfen uns unsere Augen dabei, Licht in diese Dunkelheiten zu bringen. Wir sind nur zu oft gut beraten, das sichtbare Geschehen nicht für die ganze Wahrheit zu halten und ihr erstmal mit einer guten Portion Zweifel zu begegnen.
Dem stimmte wohl der als „ungläubiger Thomas“ bekanntgewordene Jünger Jesu uneingeschränkt zu. Er gehörte zu den von Jesus berufenen zwölf Nachfolgern, die eine Menge mit ihm erlebt hatten und viel über ihn wussten. Nach der Überlieferung war Thomas nicht anwesend, als der am Kreuz verstorbene Jesus von Nazareth als auferstandener Christus den anderen Jüngern erschienen war. Und nun sollte er einfach den Augenzeugen glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden war? Das Unglaubliche muss doch erstmal bewiesen werden: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben.“ (Joh.20,25) So wird er im Johannes-Evangelium einige Zeilen vor den Versen des Monatsspruchs zitiert.
Thomas wird als Ungläubiger oftmals nicht so gut beurteilt. Aber ist uns dieser alte Zweifler nicht sehr modern und nahe? Kann es überraschen, dass nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts ALLENSBACH (2025) nur etwa 20% der Deutschen an eine leibliche Auferstehung Jesu glauben und selbst unter den Kirchenmitgliedern dies nur etwa 60% für möglich halten, Tendenz weiter abnehmend? Davon betroffen ist natürlich auch der Glaube an die Auferstehung aller Toten, der ja zum „Markenkern“ des Christentums gehört. Mit diesem Thema musste sich schon vor rund 2000 Jahren der Apostel Paulus befassen, denn Zweifler waren damals genauso vorhanden wie heute. Und da nützte selbst sein Hinweis nicht viel, dass Jesus ja „gesehen worden (ist) von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.“(1.Kor.15,6)
Es bleibt am Ende das Argument des Thomas damals und heute: „Was ihr mir erzählt, kann ich nicht glauben, ich muss es selbst mit eigenen Augen sehen!“ Die Kritik von Jesus an seiner Einstellung (s.Monatsspruch), ist aber keine Rüge, sondern ein zeitloser Verweis auf die Mitte des christlichen Glaubens, der eben kein christlicher Beweis ist und sein will. „Es ist aber der Glaube ein zuversichtliches Vertrauen auf das, was man hofft, ein festes Überzeugtsein von Dingen, die man (mit Augen) nicht sieht. (Hebr.11,1 n. Menge) Wer zu diesem Verständnis hindurchgedrungen ist, der ist im Glaubensleben glücklich! So ist in diesem Zusammenhang das Wort „selig“ zu verstehen. Aber damit ist der Zweifel an sich nicht aus der Welt. So wie in seriösen Wissenschaften der Zweifel an dem gerade Erforschten und temporär Richtigen zum Motor einer ständigen Weiterentwicklung wird, so können auch Glaubenszweifel Triebkräfte, einer sich vertiefenden Gotteserkenntnis, sein. Wer sich mit dem Glauben an den Auferstandenen auseinandersetzt, wird die Erfahrung machen, dass sich ein neues Fenster zu einer Wahrheit öffnet, die wir auf dieser Erde immer nur bruchstückhaft erkennen können (vgl. 1.Kor.13,12).
Das Ostergeschehen ist und bleibt zweifelbehaftet, aber darin keineswegs unglaublich. Es kann uns gerade durch unseren Zweifel zu einem Glauben bringen, der nicht vom Beweis getragen werden muss, sondern zu der Erkenntnis führt, die Thomas einst im Sehen und wir im Vertrauen gewinnen können:
„Mein Herr und mein Gott!“ (Joh.20,28).
Wer dies mit ihm bekennen kann, wird seine Zweifel nicht los, aber ist zweifellos zum Glauben an den Auferstandenen hindurchgedrungen, vielleicht zum ersten Mal im österlichen
April Anno Domini 2026
© D.E.

