Christusgemeinschaft
Oer-Erkenschwick e. V.

Monatsgedanken

Monatsgedanken März 2026

Jesus weint ChatGPT Image 26031 Fotor

 

 

 

 

Da weinte Jesus.

                                             Johannes 11,35

 

 

Was meinen Sie? Sind weinende Männer sympathisch? Oder ist Weinen einfach unmännlich und typisch für Frauen?
Abgesehen von biologischen Spezialitäten (Hormone), die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen tatsächlich einen kleinen Einfluss auf die unterschiedliche „Weinneigung“ von Frauen und Männern haben, könnten Männer ebenso wie Frauen „gleichberechtigt“ Weinen. Aber sie haben von Vätern und Müttern! auch gelernt: „Du bist doch ein Junge! Da weint man doch nicht!“
Aber was ist Weinen eigentlich? Zweifellos ist es eine sich nach außen bahnende, starke emotionale Regung. Und diese ist zutiefst und exklusiv menschlich, denn auch hochentwickelte Tiere haben diese Eigenschaft nicht, obschon sie Emotionen zeigen und ausleben können. Aber etwa Trauer im menschlichen Sinne können sie nicht durch Tränen ausdrücken; da ist sich die Verhaltensforschung
(s. z.B. Lars Lewejohann, Berlin) weitgehend einig. Daher ist Weinen als zutiefst menschliche Eigenschaft zu beschreiben, quasi als eine Sprache der Seele. Aber diese Sprache kann sich durchaus verstellen. Man muss keineswegs länger auf diesem Planeten sein, um noch einen deutschen Schlager in Erinnerung zu haben, der heute noch millionenfach etwa bei Spotify aufgerufen wir: „Tränen lügen nicht“ (Michael Holm , 1974). Aber der Titel ist ein schöner Irrtum, denn auch abseits der Zwiebeltränen (entstehen durch das Gas Propanthial-S-oxid beim Schneiden), wissen wir um die Bedeutung von sog. „Krokodilstränen“ und gute Schauspieler(innen) wissen, wie man weint ohne zu weinen. Echtes Weinen heißt also buchstäblich Mensch sein und diese Sprache der Seele sprechen zu lassen.
Der im Monatsspruch genannte, weinende Jesus von Nazareth, der der Christus Gottes wurde, wird aber doch als Gottes Sohn bezeichnet. Wie kann es sein, dass dieser weint, obwohl er doch auf der Sonnenseite Gottes steht und alle Macht hat? Die Antwort ist sehr einfach und doch von großer theologischer Sprengkraft: Jesus war ein wahrer Mensch! Der plakative Satz im Johannes-Evangelium fällt im Zusammenhang mit dem seinerzeit gerade verstorbenen Lazarus, Bruder von Martha und Maria, die überzeugt war, dass wenn Jesus anwesend gewesen wäre, ihr Bruder nicht gestorben wäre. War Jesus etwa selbst überrascht vom Tod des ihm gut bekannten Lazarus, den er sogar „
lieb hatte“, wie wir lesen (Joh. 11,36)? Ja, er war sogar zornig, dass der Tod hier offensichtlich Sieger blieb als Feind des Lebens (Joh. 11,33). Der Mensch Jesus brach in Tränen aus, als er den toten Lazarus sah. Uns würde es am offenen Sarg eines lieben Menschen wohl auch so gehen! Warum aber weint Jesus, dieser Sohn Gottes, obwohl er doch die Fähigkeit hatte, den toten Lazarus wieder ins Leben zurückzuholen?


Darauf gibt es eine doppelte Antwort: Jesus ist in seiner Erdenzeit ganz Mensch und keine menschlichen Gefühle sind ihm fremd! Als Sohn Gottes ist er auf Gott ausgerichtet, der ihm erst in besonderen Situationen die Macht gab. So betete der Mensch Jesus zuerst zu Gott und dankte ihm danach, dass er erhört wurde und Lazarus noch einmal ins Leben zurückkehren konnte, auferweckt von Gott durch Jesus.
Isenheimer Altar Ausschn 2602 FotorSpäter erging es ihm nach seinem eigenen brutalen Tod genauso. Er starb als Mensch mit allen Schmerzen und Ängsten und fühlte sich in dieser Situation sogar von Gott verlassen (Lukas 22,44). Emotionaler als der sogn. Matthias Grünewald (um 1510) kann man diesen Jesus wohl kaum darstellen. Der Altar (s.Bild) stand nicht in einer Kirche, sondern in einem Spital in dem vor allem gestorben wurde (Antoniterkloster in Isenheim, Elsass). Die Kranken und Sterbenden wurden auf einen Jesus hingewiesen (siehe den überdimensionalen Finger des Johannes), der sie mit ihren Gefühlen verstand und der wusste, was Leiden bedeutet! Genau das ist auch die verborgene Botschaft im Monatsspruch! Sich im Leid verstanden zu wissen, ist gewiss schon tröstlich. Doch Jesus als Sohn Gottes ermöglicht mehr! So wie der Mensch Jesus über den Freund Lazarus weinte, so öffnet der Gottes Sohn eine Perspektive über den Tod hinaus, für Lazarus zunächst ganz real, für Christen in ihrer Auferstehung in einer neuen Welt und dort „wird (er) jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“(Off.21,4)


Ist das nicht ein guter Grund für echte Freudentränen, nicht nur im vorösterlichen

 

März Anno Domini 2026

 

© D.E.