Du sollst fröhlich sein
und dich freuen über alles Gute,
das der HERR, dein Gott,
dir und deiner Familie gegeben hat.
5.Mose 26,11
Haben Sie schon mal den Satz gehört:
„Lass dich nicht so hängen!“?
Gewiss ist er aufmunternd gemeint, aber hilft er auch?
Der Angesprochene ist gewiss in keiner guten Lebenslage und seine Probleme gehen ihm schmerzvoll im Kopf herum. Gewiss kann jeder dazu etwas von seinem aktuellen Päckchen erzählen, was ihm vielleicht schon in diesem noch ziemlich neuen Jahr aufgegeben wurde. Mag es eine plötzliche bedrohliche Krankheit sein, eine berufliche Problematik, Familienärger, Ehekrise oder gar der Tod eines lieben Menschen. Als Christ hört man dann vielleicht auch diesen o.g. Satz aus dem Alten Testament und fühlt sich sodann gleich besser! Oder?
Da schalte ich mal die Ironie aus und schaue in den Kontext dieses Bibelwortes, das isoliert wie „Fröhlichkeit und Freude als Befehl“ missverstanden werden kann.
Historisch betrachtet führt das sog. 5.Buch Mose (Deuteronomium) in eine Zeit der Orientierungslosigkeit des Volkes Israel, ausgelöst durch einige politische Katastrophen, die das Volk auch existenziell bedrohten. 722 v.Chr. war das Nordreich Israel untergegangen und 587 v.Chr. stand mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Babylonier auch der geistliche Zusammenbruch Judas vor der Tür. Derartige existentielle Krisen im Leben von gläubigen Menschen führen damals wie heute oftmals zu immer denselben Fragen: „Wo ist mein Gott und was hat er damit zu tun? Konnte er nicht helfen oder wollte es nicht? Bin ich gar selbst verantwortlich für die Geschehnisse?“
Die alttestamentlichen Propheten lassen keinen Zweifel daran, dass das Versagen des Volkes Israels sich aus der Abwendung von Gott ergaben auf den sie nicht mehr hörten. (s. Jer. 22,21). Sie standen nun vor dem Trümmerhaufen ihrer auch menschlichen, falschen Entscheidungen. Doch das Deuteronomium berichtet von einem Gott, der ein DENNOCH spricht: „Denn der HERR, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht verlassen noch verderben, wird auch den Bund nicht vergessen, den er deinen Vätern geschworen hat.“(5.Mose 4,31)
Aber diese Zusage bedarf der Besinnung auf alles Gute, was der HERR für sein Volk in der Vergangenheit tat. Diese sich über Jahrhunderte ziehende, erinnernde Geschichtsdarstellung geht im 5. Kapitel dem Monatsspruch voraus. Er ist also kein lockerer Spruch für eine aktuelle Krise, sondern ein Rückblick auf viele Jahre in der viel Gutes Anlass zur Freude geben konnte, obwohl im Moment Bedrückendes im Vordergrund steht.
Was machen wir aber heute mit diesem Geschichtsunterricht für das Volk Israel im alten Mose-Buch? Auf der einen Seite bewahrt er davor, Bibelverse mal eben so aus dem Zusammenhang zu zitieren. Auf der anderen Seite reicht so ein Vers als Wort Gottes weit über seine historische Anbindung hinaus. Auch in den uns persönlich niederdrückenden Lebenskrisen bleibt Gott an unserer Seite, „und ob ich schon nichts spüre von seiner Macht“, wie es der vom Leben schwer gezeichnete Paul Gerhardt (1607–1676) (Tod von fünf Kindern und seiner Frau) dichten konnte und in einem weiteren Lied dies noch verstärkt mit „Fröhlich soll mein Herze springen“. Diese Fröhlichkeit ist aber kein Gefühl des Augenblicks, sondern ein Ausblick auf einen Gott, an dessen Wirken in der Rückschau man sich erinnern und an dessen Gegenwart im Leid kein Zweifel bestehen sollte.
Für uns ist anders als für das Volk Israel in jener Zeit eine nicht situative Freude und Fröhlichkeit in dem Christus Gottes verankert, der über den Phasen des Leids den Blick auf eine neue Zukunft in und mit ihm lenkt, viel weiter als über den
Februar Anno Domini 2026
© D.E.

