Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

Mund Ohr 0521

 

 

Öffne deinen Mund für den Stummen,
für das Recht aller Schwachen.

Sprüche 31,8

 

Foto: Thomas Wolter 

 

 

 Ich rede, wenn ich schweigen sollte, und wenn ich etwas sagen sollte, bin ich plötzlich stumm.

So dichtete 1965 der Pfarrer Kurt Rommel und daraus entstand ein in den Gesangbüchern der Gemeinden etwas in Vergessenheit geratenes Lied.
Dabei ist der Inhalt des Liedes geradezu zeitlos aktuell. Es geht nicht um „Labertaschen“ oder stille Menschen, es geht um das rechte Wort zur rechten Zeit, das wir für andere führen sollen, für deren Sorgen wir ein offenes Ohr haben sollten. Diese Aufforderung des Monatsspruches entstammt der bekannten biblischen Spruchsammlung, die als solche einen Ratgeber für ein bewusstes, ja darin weises Leben sein sollten. Auch wenn diese Zusammenstellung etwa 2500 Jahre alt ist, sind die darin enthaltenen Ratschläge immer aktuell geblieben, auch wenn sich vieles auf dem Planeten geändert hat. Allerdings sind durch Menschen  erreichte Verbesserungen meist auf den technischen Fortschritt zu beziehen. Was das menschliche Zusammenleben angeht, gibt es indes nicht viel Neues unter unserer alten Sonne, auch wenn einige Missstände der alttestamentlichen Zeiten überwunden wurden, aber doch oftmals nur in anderem Gewand auftreten (vgl. Hiob 24). Gewiss hat sich in vielen Ländern ein Sozialrecht entwickelt, das den >Schwachen< nützlich ist. Aber genau sie stehen nach wie vor am Rand einer vom Kapital bestimmten Gesellschaft, die den Starken und Reichen zu gehören scheint. Wer den Blick in die Welt wagt, der sieht das millionenfache Leid der Unterdrückten und Hungernden. Die Mediengesellschaft führt uns die Schwachen dieser Welt durchaus klar ins Bewusstsein. Doch berührt uns das mehr als nur für einen Click? Sind wir wirklich ihre Fürsprecher und setzen uns für ihr Recht ein? Wir öffnen unseren Mund gerne für Freunde und Freundinnen oder für die soziale Gruppe, in der wir leben. Ich tue Gutes für jene, die von mir als gut befundenen werden. Martin Luther stellte zu dieser speziellen sozialen Ader der Menschen fest: „Die Liebe des Menschen entsteht am Liebenswerten.“ (Heidelberger Disputation). Auch Unrecht ist oftmals nur dann wirklich fühlbar, wenn mein Recht irgendwie mitbetroffen ist. Seien wir ehrlich, wir haben eine nicht unbedeutende Gleichgültigkeit entwickelt, die unseren Mund verschließt. Hinzu kommt noch, dass zu unserer Gewissensentlastung die zahlreichen Hilfsorganisationen gehören, die wir vielleicht sogar mit Spenden unterstützen. Haben wir unsere soziale Stimme gewissermaßen outgesourct, denen übergeben, die in unserem Namen Gutes tun? Keine Frage, dass mit zahlreichen Projekten viel Gutes bewirkt und unsere Spende dringend gebraucht wird. Der alttestamentliche Monatsspruch ist aber wie der christliche Glaube keine Aufforderung an eine Organisation, wozu auch die Kirchen gehören. Es ist die sehr persönliche Anrede, das. eigene Verhalten zu prüfen und vielleicht umzustellen. Wo habe ich ganz konkret auch für Menschen in meiner Nähe, ein offenes Ohr für die Probleme der Schwachen gehabt und meinen Mund für sie geöffnet? Wo habe ich mich öffentlich gegen Unrecht gestellt und die Sache der Schwachen zu meiner Sache gemacht? Mit Jesus von Nazareth ist der Fragekatalog zu ergänzen (Matth.25, 35 ff.) Er hatte die Schwachen der Gesellschaft stets im Blick und wusste gleichzeitig um die Probleme der Starken (Matth.19,23). Wer ist unter uns ein Vorbild für andere? Oder anders gefragt, wie gelingt es mir, mein Schweigen zu brechen? Kurt Rommels Lied (https://www.youtube.com/watch?v=Miy0BYS2h64) hält einen wichtigen Hinweis dazu bereit: „Herr, hilf das Rechte sagen. Hilf uns das Gute tun.“

Schulen wir unser Bewusstsein und unser Sprachrohr und das nicht nur im

Mai Anno Domini 2021

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