Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

 StadtSuchet der Stadt Bestes
und betet für sie zum Herrn;
denn wenn’s ihr wohl geht,
so geht’s euch auch wohl.

Jeremia 29,7

Leben wir eigentlich gern in unserer Stadt oder unserem Dorf? Sind und bleiben wir eigentlich freiwillig in dieser Umgebung?
Es ist ziemlich sicher, dass viele Menschen auf die erste Frage mit einem NEIN antworten oder mindestens sofort auf einige dunkle Punkte zu sprechen kommen, die sie in ihrer Stadt gerade oder schon seit langer Zeit stören. Auf der anderen Seite gibt es in Städten nicht wenige Menschen, die ihre Stadt mit ihrer gesunden Bausubstanz, kulturellen Angeboten, guten Einkaufsmöglichkeiten etc. sehr schätzen und gerne dort leben. So hängen solche Bewertungen naturgemäß immer davon ab, ob gerade unsere speziellen Bedürfnisse und Blickrichtungen an einem Ort befriedigt werden oder auch nicht. Es gibt aber auch Städte, die ihre Probleme seit Jahren nicht in den Griff kriegen und ihre Bürger – soweit sie nicht abgehoben in speziellen Vierteln wohnen – sich daher dort alles andere als wohl fühlen. So ist der eine Teil des Monatsspruchs eine Binsenweisheit, wie man so sagt, denn wenn es der Stadt unwohl ist, so kann es natürlich den meisten Bürgern und Bürgerinnen nicht wohl sein. Aber, was hindert sie, ihre Stadt zu verlassen und sich etwas Besseres zu suchen? Leider oft eine ganze Menge, wie man nach kurzer Überlegung feststellt. Neben familiären Bindungen ist es oft der Arbeitsplatz oder sind es finanzielle Abhängigkeiten wie etwa eine Hausfinanzierung und einiges mehr.
Doch es gibt noch ganz andere Fesseln. Das ist der Hintergrund des Monatsspruches, der einem Brief entnommen wurde, der um 585 v.Chr. vom Propheten Jeremia geschrieben wurde. Adressaten waren Israeliten, die aufgrund einer katastrophalen Politik ihrer Führung, von der Großmacht der damaligen arabischen Welt – den Babyloniern – aus ihrem Land im Rahmen einer Strafaktion verschleppt wurden und sich u.a. in der Stadt Babel wiederfanden, 1000 km Luftlinie von ihrem Zuhause entfernt. Und dort kamen alles andere als Heimatgefühle auf. Das lag sicher nicht an der Großstadt Babel, die für damalige Verhältnisse sicher gut entwickelt war. Aber das Gefühl der Gefangenschaft war beherrschend, gepaart mit einer gehörigen Portion Resignation, denn wie lange man an den Flüssen von Babylon bleiben musste, war nicht abzusehen. Man war als unfreiwilliger Migrant eben nur Arbeitskraft und nicht Stadtbürger. Zudem gab es noch jene Propheten vor Ort, die von einer baldigen Rückkehr nach Jerusalem redeten. Wozu sollte man sich also hier in der Fremde engagieren? In diese Gefühlslage hinein kam der Brief des Jeremia. Er enttäuscht die deportierten Israeliten zunächst mit der Nachricht, dass sie noch ein paar Jahrzehnte dort zubringen müssen. So habe es Gott ihm gesagt. Und dann kommt dieser Satz, den man vielleicht auch so übersetzen kann: >Engagiert euch in dieser Stadt und seht zu, dass sie sich entwickelt und es ihr gut geht. Ach ja, und betet für die Einwohner in dieser Stadt, auch wenn ihr lieber nichts mit ihnen zu tun haben wollt. Sie sind eure Unterdrücker und obendrein wollen sie nichts mit Gott zu tun haben.< Vielleicht hätte Jeremia auch noch hinzufügen können:>Jammert nicht rum und hadert mit eurem Schicksal. Gott hat es so beschlossen und nun macht das Beste daraus. So ganz uneigennützig braucht ihr dabei gar nicht zu sein, denn….< Den letzten Teil des Monatsspruchs kennen wir.
Die darin geforderte Haltung ist auch mehr als 2500 Jahre nach Jeremia nicht der menschliche Normalfall. Sich über direkte persönliche Interessen hinaus in einer Stadt einzusetzen, ist eher die Ausnahme und auch manche gewählte Volksvertreter(innen) suchen zunächst einmal ihr Bestes. Abgesehen davon, dass Beten bei vielen Stadtbewohnern längst „out“ ist, fällt es auch Menschen, die mit einem Gott rechnen, damals wie heute nicht leicht für „Feinde“ zu beten, geschweige denn als Christ der noch weitergehenden Aufforderung Jesu nachzukommen (s. Matth.5,44). Das geht wohl nur, wenn die Blickrichtung zum „Himmel“ geht. Das war für Jeremia in seinem Brief eine selbstverständliche Voraussetzung. Nur so ist es möglich,
mit Geduld den alltäglichen Kampf zu bestehen, der uns bestimmt ist, wie es später einmal im Hebräerbrief gefordert wurde (vgl. Hebr. 12,1f.).
Das gilt für unsere ganze Lebenszeit und nicht nur im

Oktober Anno Domini 2020

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