Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

Neu2 versöhnungJa, Gott war es,
der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.

2. Korinther 5,19

 Versöhnung – ein sooo einfaches Wort, das scheinbar keiner Erklärung bedarf. Aber um was es dabei wirklich geht, ist weitaus schwieriger zu beschreiben und noch schwieriger zu leben. Auch das wissen wir eigentlich alle.
Wer von Versöhnung spricht, muss auch von Streit reden, von inneren und äußeren Konflikten. Die Palette reicht von Enttäuschungen, unglaublichen Täuschungen, Betrug, persönlichen Kränkungen bis hin zum Krieg der Völker. Der Hang zum Streit scheint geradezu in den Genen der Menschen verankert zu sein. Schon die kleinsten Kinder geraten in Konflikte mit ihren Spielkameraden und das macht auch oder gerade nicht vor Geschwistern halt. Das geforderte Versöhnungszeichen der Eltern ist dann oft mit der Aufforderung beschrieben: „Nun reicht euch mal wieder die Hand.“ Auch bei Erwachsenen ist diese Geste üblich. Sie zeigt, dass man dem anderen entgegenkommt, auch körperlich, was seine höchste Ausprägung in Umarmung und Kuss finden kann. Abgesehen davon, dass solche Formen der gezeigten Versöhnung in der Corona-Zeit auf der Strecke zu bleiben drohen, wissen wir auch um die Macht des Adrenalins, des Zorns, der emotional das Händereichen sogar über längere Zeit nicht möglich macht. Damit ist auch oft verbunden, dass wir einen klassischen menschlichen Maßstab anlegen, jene Frage, wer auf jemanden zuerst zugehen muss. Hier tritt die ältere Wortschwester der Versöhnung auf den Plan, die Vergebung. Mit ihr wird es nochmal schwieriger, denn vielleicht bittet der andere Mensch ja gar nicht um Vergebung, weil er seine Verfehlung nicht einsieht, ignoriert oder sich über ihre Tragweite nicht bewusst ist. Und wer übersieht nicht auch gern seinen eigenen Anteil an einem Konflikt. Wir sind doch je nach Lebensphase mal Opfer mal Täter in einem Konflikt. Außerdem,- gibt es nicht auch Unverzeihliches, Ereignisse die man einfach nicht vergeben kann? Vor kurzem wurde ich auf das Buch der Philosophin Susanne Boshammer aufmerksam mit dem interessanten Titel: „Die zweite Chance. Warum wir (nicht alles) verzeihen sollten“. Sie macht darauf aufmerksam, dass weniger die verletzende Handlung entscheidend ist, sondern wie der andere Mensch sich innerlich zu seiner Tat stellt. Das habe auch mit der Selbstachtung zu tun, seine Prinzipien nicht einfach über Bord zu werfen. Aber, so Boshammer, sei letztendlich Versöhnung nicht ohne Vergebung möglich. Verzeihen kann damit auch scheitern, um den Preis, dass dauerhaft eine Beziehung belastet wird, vielleicht sogar ein Leben lang.
Wer allerdings schon selbst einmal Vergebung erfahren hat als der Schuldige, der wird zweifellos ein anderer sein und anders reagieren. Zweifellos? Auch für Christen ist es schnell dahingebetet: „…..wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Und wem nun noch einfällt: „Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen….“ wird vermutlich im Blick auf sein Leben noch nachdenklicher. Der Monatsspruch des Apostel Paulus aus dem Korintherbrief macht auf die Grundlage eines uneingeschränkten Vergebens aufmerksam. Es ist die Zuwendung Gottes zum Menschen, der sich längst von ihm abgewandt hat. Es ist die uneingeschränkte Versöhnung Gottes mit einem Menschen, der sich nach biblischen Verständnis von Gott getrennt hat und in dieser Welt dadurch viel Schuld auf sich geladen hat, von A –wie Atombombe – bis Z- wie Zerstörung der Umwelt, noch gar nicht geredet über die vielen großen und kleinen Scharmützel mit unseren Nächsten. Aber der Gott von dem die Bibel berichtet gründet seine Versöhnung nicht darauf, dass er „Fünfe grade sein“ lässt und die Schuld des Menschen relativiert. Es ist die göttliche Selbstachtung, die Schwarz schwarz bleiben lässt. Da hat der Mensch von Natur aus keine Chance Gott zu genügen. Aber das dennoch Versöhnung möglich ist, führt zum Kern des christlichen Glaubens: Jesus von Nazareth wurde zum Christus am Kreuz, wo er den Preis für alle menschliche Schuld zahlte. Deshalb „rechnete (Gott) ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung“, wie Paulus den o.g. Vers fortsetzt (vgl. auch Röm. 3, 24 f.). Es gibt allerdings eine Voraussetzung. Der Mensch muss seine zweite Chance ergreifen und diese Entschuldung annehmen, sich darin diesem Christus zuwenden. Mit dem im KZ von seinen Feinden gehängten Dietrich Bonhoeffer gesagt: „Das Kreuz Christi zu erkennen als die unüberwindliche Liebe Gottes zu allen Menschen, zu uns ebenso wie zu unseren Feinden, das ist die beste Klugheit.“
Mit dieser Klugheit können und sollen wir unsere menschlichen Beziehungen gestalten und Versöhnung wahr werden lassen. Aber das ist und bleibt auch für Christen keine einfache Aufgabe, nicht nur im

September Anno Domini 2020

© D.E.

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