Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

Elia MoGeda 2007Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach:
Steh auf und iss!
Denn du hast einen weiten Weg vor dir.   

 1.Könige 19,7

Vielleicht kommt dieses Bild aus unserer Zeit ihm wirklich nahe. Die vielen Sonnentage im Orient haben damals wie heute jede ungeschützte Haut gegerbt. Wie mag er wirklich ausgesehen haben – dieser Prophet Elia oder auch Elija, der in der christlich-jüdischen Überlieferung keine geringe Rolle spielt. Sein Name bedeutet so viel wie: >Mein Gott ist Jahwe<. Das war seinerzeit keineswegs eine selbstverständliche Bezeichnung, denn genau dieser Mann bekam es um die Mitte des 9. Jahrhunderts v. Chr. mit dem israelitischen König Ahab zu tun, der eine phönizische Frau heiratete, die dem Fruchtbarkeitskult des Gottes Baal zugetan war. Neben der Liebe, die bekanntlich das Sehvermögen stark behindert, vertrat Ahab vielleicht sogar eine sehr moderne Ansicht: alle Religionen lassen sich doch irgendwie verbinden, denn wer kann schon genau wissen, wie die himmlische Welt wirklich organisiert ist. So hatte der König des Volkes Israel auch offensichtlich kein Problem damit, auf Anregung seiner Frau eine Baal-Anbetungsstätte zu bauen. Irgendwie geht doch alles irgendwie zusammen, was die religiöse Suche des Menschen befriedigt!? >Passt scho<so würde der bayrische Volksmund vielleicht sagen. Aber ein anderes uns bekanntes Sprichwort dazu geht auf jenen Elia zurück und bezeichnet viel besser seine Mission: >Wie lange hinkt ihr noch auf beiden Seiten?< (1. Kön. 18,21). Das ist die Frage, die er an König Ahab und das ganze Volk richtete. Das Elia Wort ist auch so zu verstehen: Wer hinkt hat keinen festen Standort, von dem aus das Leben gelebt und gestaltet werden kann. Elia geht aber noch einen Schritt weiter. Er hält den Israeliten vor, dass man auch einen falschen Standort einnehmen kann. Statt auf die Fruchtbarkeitsreligion eines „toten“ Baal zu setzen, soll Israel zurückkehren zum lebendigen Gott. „Erhöre mich, HERR, erhöre mich, dass dies Volk erkenne, dass du, HERR, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir kehrst!“ (1. Kön. 18,37) Aber schon in banalen Alltagssituationen wissen wir, dass für Menschen der Satz: >Ich kann mich nicht entscheiden< geradezu kennzeichnend ist. Wir möchten doch zu oft und gerne alles und fürchten uns vor Festlegungen. Hinzu kommt noch, dass es auch falsche Entscheidungen gibt, die viel zu häufig unsere Wege ungünstig bestimmen. Lebensentscheidungen sind zudem immer eingebunden in unsere Umwelt, bestimmt von der Familie und dem Ort unseres Aufwachsens. Sich davon zu befreien und zu einer selbstbestimmten Entscheidung zu gelangen, ist vielleicht die schwerste Lebensaufgabe und oftmals ein weiter Weg. So war auch das Volk Israel inzwischen im kanaanäischen Land zu Hause. Hatte man dort nicht oft genug auch den Baalen geopfert und dann im Herbst Regen für die Felder erhalten? Diese Religion funktionierte scheinbar doch! Elia hatte seinerzeit zwar das Gegenteil bewiesen (s. 1.Kön.18) und den Zusammenhang von Regenzeit und Götterglaube zerstört. Aber er blieb erfolglos. Der Baals Kult war keineswegs zu Ende. Ein Beweis ist eben noch lange keiner, denn die Interpretation von Fakten bestimmt deren Gültigkeit. Heutzutage redet man gern von einem >Echo- Raum<, in dem man nur hört, was man selber denkt (Echo-Chamber-Effekt). Was in unser Denkschema passt, nehmen wir gerne auf und das Andere werten wir bestenfalls als zufällig oder unbedeutend ab. Was ist also die Wahrheit? Wir Menschen in der Corona-Zeit verstehen diese Frage gut. Und wie viel schwieriger ist es, Menschen von einem unsichtbaren Gott zu überzeugen! Selbst den Propheten Elia hatte das frustriert und mutlos gemacht. Er wünschte sich sogar den Tod, um raus aus dieser „Nummer“ zu sein (1. Kön 19,4): Alles für die göttliche Wahrheit gegeben und scheinbar doch verloren, so war vielleicht sein Fazit. Dass es den lebendigen, einzigen Gott gibt, daran hatte er gleichwohl keinen Zweifel. Aber warum schafft dieser nicht einfach Klarheit? Auch für Christen von heute eine Frage, deren Antwort zunächst offen bleibt.
Wer niedergeschlagen und mutlos ist, braucht Kraft. Für den alttestamentlichen Elia war dies erstmal jene wichtige physische Stärkung in der Wüste, damit er seine Mission fortsetzen konnte. Sein Weg sollte im mehrfachen Sinne noch weit sein. Der Prophetenkollege Jesaja hätte Elia gewiss ein paar hundert Jahre später zugerufen: 28 Weißt du nicht? hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.“ (Jes. 40).
Gehen wir den Weg weiter mit allen unseren Fragen oder vielleicht machen wir uns neu auf den Weg mit und zu diesem unsichtbaren Gott, der unsere menschlichen Vorstellungen und Überlegungen übersteigt. Gerade deshalb ist unsere Glaubensentscheidung gefragt, vielleicht im

Juli Anno Domini 2020

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