Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

 

MoGedank Hören 1907Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören,

langsam zum Reden,

langsam zum Zorn.

Jakobus 1,19

„Hast du mich nicht gehört??!“ Das ist wohl eine der beliebtesten Fragen von Eltern an ihre Kinder zwischen 3 und 12 Jahren. Ab 12+ heißt es oftmals schärfer formuliert: „Hör mir doch endlich mal zu!“ Nur diesmal benutzen auch die Kinder diesen Satz nicht von ungefähr, wenn Eltern sie „zutexten“, eine der besonderen Formen des ÜBERredens im wahrsten Sinne des Wortes. Damit steht schon mal fest: Schlechtes Hören ist keine Kinderkrankheit, keine Altersfrage und auch meistens keine Organschwäche. Auch mit einem Hörgerät hört Opa bekanntermaßen nur das, was er will. Und dass diese Art der fehlgeschlagenen Kommunikation nicht selten in eine zornige Atmosphäre führt, in der schließlich keiner mehr (zu)hört, was der andere eigentlich sagt oder sagen wollte, können viele Menschen aus eigener Erfahrung bestätigen. Aneinander vorbeireden, gehört ebenso zum Alltag wie unsere Neigung, unserem Gegenüber ganz schnell unsere eigenen Worte um die Ohren zu geben. Und wenn’s ganz schief läuft, nimmt die Aggression im Gesprächsverlauf zu.

Der oben genannte Monatsspruch macht offensichtlich auf eine grundsätzliche menschliche Wesenseigenschaft aufmerksam, die nicht erst heute zum Problem geworden ist zwischen Eltern und Kindern, Eheleuten, Partnern, Chefs und Mitarbeitern u.v.m. Dass sich in den letzten 2000 Jahren nichts geändert, lässt sich nicht nur mit den o.g. Worten des sog. biblischen Verfassers Jakobus belegen. Die Jahrtausende mögen vergehen, aber die menschliche Natur ist und bleibt wie sie ist (s.a. Buch Prediger 1,9).
Die genaue Umkehrung unseres Monatsspruchs ist menschlicher Alltag, ein wenig variiert durch unser Temperament: Wir sind schnell zu erzürnen, noch schneller beim Reden und das Zuhören gehört nicht zu den herausragenden menschlichen Stärken.

„Ganz ehrlich: Haben Sie sich schon einmal gefragt, wem Sie eigentlich mehr zuhören, wenn Ihnen eine andere Person etwas mitteilt? Der Person oder sich selbst?“ So fragte das Magazin Focus (Focus Online Feb 2017) verbunden mit zahlreichen Tipps, wie man das ändern kann. So ist das Thema „Zuhören“ längst in viele psychologische Ratgeber gekommen, die sich mit der Verbesserung der menschlichen Beziehungsebenen befassen. Manche Bücher dazu haben Dutzende Auflagen hinter sich und machen deutlich, wie groß und anhaltend die Probleme sind, die durch schlechte Kommunikation entstehen.

Man darf wohl unterstellen, dass alle biblischen Verfasser in ihrer Umwelt ebenso um schiefgelaufene menschliche, kommunikative Beziehungen wussten und diese vielmals erlebt hatten. Aber sie richteten über die zwischenmenschliche Ebene den Blick bildlich gesprochen noch eine Etage höher auf die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Ist diese gestört, so wird auch das menschliche Miteinander negativ beeinflusst werden.

So waren und sind die biblischen Ratschläge immer verbunden mit der Forderung nach einer hörenden Beziehung zu Gott. Die biblischen Schöpfungsberichte über den nach Gottes Bild geschaffenen Menschen berichten schnell von Gottes  Anrede Gottes an den Menschen (1.Mos1, 28 u. 2,16). Diese Anrede des Menschen bezeichnet später Jesus geradezu als lebenswichtig. (Matth.4, 4). Mögen alle materiellen Voraussetzungen erfüllt sein, ohne Gottes Wort fehlt dem Menschen etwas Entscheidendes.

Aber Gott hören? Geht das überhaupt? Die erste Voraussetzung liegt zunächst darin, Gottes Existenz für denkbar zu halten. Auch wer die Vernunft über alles stellt, kann und wird Gott als Möglichkeit zulassen müssen so wie Immanuel Kant dies tat. Und dann ist in der Tat Zuhören angesagt. Auf Gott hören setzt aber Ruhe voraus, genauso wie ein gutes Gespräch mit unseren Mitmenschen. Selbst Jesus suchte die Einsamkeit für seinen Dialog mit Gott im Gebet (Mk 6,46 u.14,35 ff). Aber wie antwortet Gott? Kann man das überhaupt glauben?
„Der Glaube kommt aus dem Hören der Botschaft; und diese gründet sich auf das, was Christus gesagt hat“, so formuliert es der Apostel Paulus (Römer 10,17). Und diese Botschaft ist in den biblischen Schriften aufgezeichnet. Wer sie liest hört in übertragenen Sinne die Stimme Gottes: Gottes Wort im Menschenwort, aber dennoch im menschlichen Filter. Und es ist keineswegs ausgemacht, ob und wie das Gehörte innerlich verstanden wird, etwa auch die Worte eines Predigers. Die Weiterverarbeitung und damit das Verständnis der Worte erfolgt im Herzen des Menschen. Das Herz ist quasi die Innenseite des Ohres. Das ist nicht nur vielfache biblische Aussage, sondern oft von uns unbewusst formulierte Alltagsmeinung. „Sich Worte zu Herzen nehmen“ ist eine merkwürdige und doch treffende Unterscheidung von dem was, wie wir sagen „in ein Ohr hinein, ins anderen wieder hinausgeht“. Akustisches Hören ist das, was die Sprachmaschinen Alexa, Siri und Co auch können. Mit dem Herzen verstehen (Spr.18,15) ist aber etwas, was uns Menschen auszeichnet und gottgewollt ist. Erst diese Eigenschaft macht es möglich, das Jakobus-Wort auch in unserem zwischenmenschlichen Umgang zu erfüllen, mag dies auch wegen unserer Natur nie perfekt gelingen. Diese Art des verstehenden Hörens und darauf(!) gegründeten Redens, bewahrt nicht nur davor, das eigene Sprechen zu bevorzugen, sondern ist gewiss auch ein maßgebliches Element des Friedens, das Zorn nicht vorschnell aufkommen lässt (s.a.Matthäus 13,15).

Versuchen wir unsere Hörgewohnheiten, Redesucht und Zornesröte zu einer Herzensangelegenheit zu machen. Gott kann uns dabei helfen im

Juli Anno Domini 2019!

© D.E.

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