Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

Kurzandacht

 

Berg Zion 2112 Fotor
Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!
Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.
Sacharja 2,14

 

Wer kann schon mit so einem Spruch etwas anfangen, wenn sie oder er nicht gerade in einer christlich–jüdischen Tradition groß geworden ist und sich auch später noch mit ihr verbunden weiß?

Außerdem ist dies inzwischen die zweite Advents- und Weihnachtszeit, in der Freude einen faden Beigeschmack bekommt. Freuen? Worauf eigentlich? Auf den nächsten Impftermin? Freude auf die Überbleibsel der Weihnachtsmärkte? Freude auf die nächste Virus-Mutante? Freude auf den nächsten Konflikt zwischen Geimpften und Ungeimpften?
Aber gleichwohl wurden und werden zur Weihnachtszeit Menschen in unserem Kulturkreis, die aus welchem Brauchtum auch immer in der Adventszeit des Dezembers oder am sog. Heiligen Abend einen Gottesdienst besuchen (dürfen) mit dem Lied begegnet, dass diesem Vers zugrunde liegt: Tochter Zion, freue Dich, jauchze laut Jerusalem (www.youtube.com/watch?v=XkHkb2K5RBQ) Es ist einst von Georg Friedrich Händel komponiert und später von Friedrich Heinrich Ranke (1798–1876) aus Händels Chorsätzen bearbeitet worden. Mit diesem Lied führt die Zion-Spur nach Israel und von dort nach Jerusalem auf den Zion Berg in die heilige Stadt mit ihrer vielfältigen Geschichte.
Gleich zweimal mussten große Teile der Bevölkerung Israels vor Beginn unserer Zeitrechnung ihre Stadt zwangsweise verlassen und die Katastrophe der Verbannung erleben. Unweit des Zions stand der Tempel, der dem Volk als Wohnsitz Gottes galt. Israel entfernt von Gott? Das war undenkbar! Einst hatte König Salomo (10.Jh.v.Chr.) den Tempel in der Nachfolge seines Vaters David auf dem später sogenannten Tempel Berg erbaut, der oft mit dem Berg Zion gleichgesetzt wurde. Es sollte in der verschlungenen Geschichte Israels noch schlimmer kommen, denn um 586 v.Chr. wurde eben dieser erste Tempel zerstört. Die damit verbundenen Fragen der Gläubigen waren keine anderen als die unseren, soweit wir Gott für möglich halten oder sogar im Glauben von seiner Existenz überzeugt sind: >Wie kann Gott das Feld jenen zerstörerischen Kräften überlassen? Ist er tatsächlich nicht willig einzugreifen oder sogar machtlos? Wie wirkt dieser Gott in der Welt? Ist er nicht doch vielleicht nur eine Selbsttäuschung der vom Tode bedrohten Menschen?<
Die letzte Frage ist sicher zu modern formuliert für die Zeit des Propheten Sacharjas, der in der griechischen und lateinischen Bibelübersetzung Zacharias genannt wird. Etwa 50 Jahre nach der Zerstörung des Tempels wurde er seinerzeit von Bildern „gequält“, ein Kopfkino – theologisch Vision genannt -, die er selbst nicht immer in ihrer Aussage, geschweige denn in ihrer Reichweite verstand. Nein, es geht nicht wirklich um eine Tochter, mit der er den Berg Zion vergleicht. „Sie“ ist ein Sinnbild für das Volk Israel, für das zur Zeit des Sacharja eine neue Zeit anbrechen sollte: der Tempel durfte durch Rückkehrer wieder aufgebaut werden! Die in Babel Verbliebenen fordert Sacharja auf, wieder in das Land ihrer Väter zu kommen. Und damit nicht genug! Diesem einst verstoßenen Volk wollte sich Gott wieder zuwenden und wieder bei ihm „wohnen“, so die frohe Botschaft des Sacharja! „Frohe Botschaft“ oder deutsch-griechisch gesagt: das Evangelium. Wie alle Propheten des Alten Testaments steht auch Sacharja zwischen Gestern und Morgen. Das Alte ist vergangen, aber das Neue ist noch nicht vollendet, aber es kommt gewiss durch die Tat Gottes! Und so mag Sacharja gar nicht so recht begreiflich geworden sein, was er selbst gleich im nächsten Vers voraussagt: „Und es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum HERRN wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen.15 Gott ist nicht allein der Gott Israels, sondern Gott dieser Welt, die am Ausgang des Jahres 2021 allerdings eher Trümmer offenbart als einen Wiederaufbau erkennen lässt. Aber Gottes Zusage für ein gelungenes Finale für die Völker der Welt gilt gestern und heute!Tochter Zion Lied 21
So ruft Sacharja im neunten Kapitel des Buches nochmals verschärfend: Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 

500 Jahre später wird Jesus –Davids „Sohn“, der zum Messias wurde, den Nachkommen des Esels reiten, auf seinem Weg zurück nach Jerusalem im Schatten des Zions. Man erinnerte sich an Sacharjas Worte (s. Matth.21, 1-4).
Davor und danach passierte viel Un‑Freudiges auf dieser Welt, aber die frohe Botschaft, das Evangelium bleibt: Gott kommt und wird alles neu machen. Doch der lange Weg ist noch nicht zu Ende. Wir stehen noch im Advent dieser Welt, die vielleicht noch mehr als 24 Tage und Türchen vor sich hat. Gott hat sein Werk mit Jesus Christus fortgeführt, woran uns das Weihnachtsfest erinnert, dass darin weder Baum noch Markt braucht. Aber jedes Kerzenlicht kann uns zur Vor-Freude aufrufen und das Dunkel der Gegenwart heller machen: Gott kommt, nicht nur für die Tochter Zions, sondern für die Söhne und Töchter dieser Welt! Niemand weiß wann dies geschieht, aber es war und ist ein Grund zur Freude, auch im

Dezember Anno Domini 2021

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