Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

Kurzandacht

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Sie werden weinend kommen,

aber ich will sie trösten und leiten.

Jeremia 31,9

Bild: Ulrike Mai, Pixabay

Ob es wohl irgendjemanden in unseren Breiten gibt, der den Monat November mag???
Die Sonne macht sich rar, jeden Tag wird es fühlbar früher dunkel, Nieselregen, Wege und Plätze, auf denen das gefallene Laub oft zu einer glitschigen Schicht zerfällt. Das sind nur einige der Zutaten, die zum Novemberblues gehören, inzwischen ein in der Psychologie gängiger Begriff, der jene Stimmung beschreibt, die nicht selten den Auftakt zu einer Depression bildet. Besonders dann, wenn das persönliche Jahr 2020 auch große Belastungen mit sich brachte, vielleicht sogar der Tod auf den Kontaktplan trat. Und dann auch noch die Coronazeit mit diesem Virus, der die persönlichen Beziehungen immer weiter einschränkt und selbst eine tröstende Umarmung zur Frage wird. Während man aber bei der Novemberstimmung immer noch das Lied >Immer wieder kommt ein neuer Frühling, immer wieder kommt ein neuer März< im Kopf haben kann, so ist das mit Corona schon etwas schwieriger, denn niemand weiß, ob und wann dieser März wieder kommt, in dem die neue alte Sonne wieder Blüten und Leben fördert.

In so einer bedrückten Stimmung befand sich auch das Volk Israel im 6. Jahrhundert v.Chr. Der Prophet „Widerwillen“ Jeremia (s. Jer.1) hatte Israel den staatlichen Untergang voraussagen müssen und auch die Ursache dafür benannt: den Ungehorsam gegenüber Gott und seinen Geboten. Geglaubt hatte ihm zunächst niemand, da alle äußeren Umstände dagegen sprachen. Man war überzeugt, auf der Gewinnerseite der Geschichte zu sein, was sich bis in die Moderne gerne auch in dem Satz zementiert:> Gott ist mit uns.< „Sie sind fett, sie sind glatt; ja, sie überschreiten das Maß der Bosheit.“ so fasste Jeremia dagegen seine Beschreibung zusammen (Jer.5,28) Das ungerechte Wirtschaftssystem in dieser Zeit, das die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden ließ, ein korruptes Rechtssystem, eine aufgeweichte Moral, blieb genau in jenen verantwortlichen Kreisen ohne Selbstkritik wie auch die dort aufkommende Multireligiösität (s. Jer.7). Religion wurde dem eigenen System angepasst: Auch Baal gehört zu Israel.
Der neutrale Geschichtswissenschaftler staunt vielleicht, denn der Untergang des Volkes kam tatsächlich lange,- und für Jeremia viel zu lange - nachdem Jeremia Gottes Strafe für das kollektive Versagen seines Volkes vorausgesagt hatte (s. Jer.52) Insbesondere die Oberschicht kam um oder wurde nach Babylon transportiert. Nun war die Zeit der Tränen gekommen und eine November-Depression ist wohl nur ein Puzzleteil jener Stimmung der Verzweiflung. Zudem sollte die Zeit des Exils lang werden und mehrere Jahrzehnte dauern.
Wohin wendet man sich in den trüben Zeiten des Lebens? Da sind vielleicht die Freunde oder die Lebenspartner(in). Aber wir machen doch leider zu oft die Erfahrung, dass gerade in schlechten Zeiten, die Zahl der guten Freunde abnimmt. „Freunde in der Not gehen 1000 auf ein Lot“ (alte Gewichtseinheit von etwa 16,7 Gramm= 1/30 eines Pfundes) so sagt es der Volksmund. Aber der hat auch noch einen anderen Spruch bereit: „Not lehrt beten“ Erst die Zeit der Bedrückung brachte leider auch für das Volk Israel die neue Blickrichtung zum Himmel. Und sosehr Jeremia von einem konsequenten Gott berichtet, der Fehlverhalten nicht einfach toleriert, sosehr erkennt er auch den selben Gott wie er im Monatsspruch erkennbar ist. Er wendet sich den Menschen wieder liebend zu und bietet eine Anleitung für eine neue Zukunft, wovon das Jeremia-Buch ausführlich berichtet. Dieser Gott ist der Gott der Juden und der Christen gleichermaßen, den Jesus viele hundert Jahre später eindringlich verkündigt. Es ist der Gott, der selbst abwischen (wird) alle Tränen von ihren Augen“ (s. Off.21,4). Alle Einsamkeit, alle Verzweiflung, alle Hoffnungslosigkeit ist bei ihm gut aufgehoben! Lernen wir ihn kennen und lesen vielleicht (noch)einmal das Buch Jeremia komplett, in den langen, dunklen Stunden im

November Anno Domini 2020

© D.E.

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