Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

Kurzandacht

Mensch und Gesetz 2106 Fotor1

Bild: Gerd Altmann•     Freiburg


Das ist doch mal eine klare Aussage, die vor rund 2000 Jahren ein Mann namens Petrus mit den anderen Aposteln verkündete!

Dieser Ausruf wurde seinerzeit vor einem sog. Hohen Rat ausgesprochen, der auch die Religionsgerichtsbarkeit im alten Israel zu Beginn unserer Zeitrechnung beherrschte. Er war natürlich gedacht für Menschen, für die Gott in ihrem Leben eine Bedeutung hat. Aber welcher Christenmensch würde diesen Satz mindestens heute nicht mit einem Fragezeichen versehen?
Wer ein paar Momente länger und tiefer darüber nachdenkt, wird zu verstehen beginnen, dass mit diesem Ausruf weit mehr verbunden ist und eine Reihe von Herausforderungen sichtbar werden, die im Leben vieler gläubiger Menschen und vor allem auch in der Geschichte der Kirchen zu inneren Kämpfe führte. In unserer Gegenwart sorgt sicher allein schon der Begriff des >Gehorchens< für Aufregung. Für kleinere Kinder nehmen wir ihn gern in Anspruch, aber für uns freie Erwachsene? Soll ich mich denn wirklich als Christ oder als jemand, der Gott nicht auf dem Zettel hat, an ein menschliches Gesetz halten, das mir unbequem oder sogar uneinsichtig ist? Auch schon vor der Corona-Krise gab es dazu viele Beispiele, in denen die Aufforderung zum >Gehorchen< nur dann akzeptiert wurde, wenn die Vorteile für mich auf der Hand lagen und meine Kreise nicht störten. Es ist sicher überflüssig, etwa gern ignorierte Regelungen aus dem Verkehrsrecht oder Steuerrecht dazu auszuführen. Mit Paul Gerhardt haben nicht wenige Christen die gegenwärtige Anordnung in Frage gestellt, auf das Singen aus Infektionsschutzgründen zu verzichten: „Sollt ich meinem Gott nicht singen? (EKD Gesangbuch 325) Und manch‘ eine christliche Gemeinschaft hat sich sicher gern an den o.g. Satz des Petrus erinnert und ihn für  ihre Zwecke benutzt.

Die ehemalige Ratsvorsitzende und langjährige Bischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, sagte einmal in einem Interview mit einer Zeitung: „Gott schickt keine Pandemie“, denn „ich glaube nicht, dass Gott alles lenkt.“(Süddeutsche Zeitung, 30.November 2020) Genau damit hatten, die Christen im 3. Reich schon ihre tragischen Probleme. Hatte nicht Paulus geschrieben: „Jede Obrigkeit ist von Gott gewollt“ auch jene, die unfähig ist oder gar katastrophale Entscheidungen für das Land oder gar die Welt trifft? (s. Röm. 13.1) Damit wäre auch jedes Gesetz einer Obrigkeit gehorsam hinzunehmen.
Dass das nicht immer richtig sein kann, war einem Mann wie Dietrich Bonhoeffer sonnenklar und so beteiligte er sich einst aktiv daran, den Staatsführer Hitler buchstäblich aus dem Weg zu räumen, auch wenn es diesem den Tod gebracht hätte. Dafür hatten ihn selbst viele seiner Leute, bibeltreue Christen der sog. Bekennenden Kirche von ihrer Gebetsliste genommen.-
Auch die Männer der Apostelgeschichte wussten um Begrenztheit und Zeitlichkeit menschlicher Gesetze. Aber wie findet man heraus, was zu tun und was im Sinne Gottes zu lassen ist? Es ist allzu leicht, den Maßstab persönlicher Auffassungen und Befindlichkeiten anzulegen! Lassen wir es Bonhoeffer selbst erklären: „Der Wille Gottes kann sehr tief verborgen liegen unter vielen sich anbietenden Möglichkeiten. Weil er auch kein von vornherein festliegendes System von Regeln ist, sondern in den verschiedenen Lebenslagen ein jeweils neuer und verschiedener ist, darum muß immer wieder geprüft werden, was der Wille Gottes sei. Herz, Verstand, Beobachtung, Erfahrung müssen bei dieser Prüfung miteinanderwirken.“(…) Und „eben weil es nicht im
menschlichen Verfügen, sondern allein in der Gnade Gottes
steht, daß wir seinen Willen erkennen, und eben weil diese
Gnade jeden Morgen neu ist und sein will, darum steht es mit
diesem Prüfen des Willen Gottes so ernst.“ (DBW zur Ethik S. 323)
Dieser Kampf um die Erkenntnis, wann es angezeigt ist, den Monatsspruch (s.o.) zu Recht anzuwenden, kann nur in der Nähe Gottes erfolgreich und verantwortlich geführt werden, im Gebet und in der Stille. Vielleicht kommt man dabei auch zu dem Schluss, was mir und den Menschen am wenigsten gefällt, gerade das sein könnte, was in die Richtung des göttlichen Willens weist.

Nach so einer (Selbst)Prüfung können wir guten, aber selbst dann nicht zweifelsfreien Gewissens Menschen und ihren (gesetzlichen) Forderungen widersprechen, nicht nur im

Juni Anno Domini 2021

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